Vereinsgeschichte

Limes – eine Entwicklungsgeschichte aus der Sicht des Obmanns Mag. Peter Wanke

Meine Arbeit in einer sozialpädagogischen Beratungsstelle der Stadt Wien mit dem Schwerpunkt “Gewalt in der Familie” brachte mit sich, dass ich vermehrt auch mit Kindern zu tun bekam, die sexuelle Gewalt erlitten hatten. In weiterer Folge kamen auch jugendliche Opfer und die dazugehörigen Bezugspersonen zur Beratung und auch erwachsene Täter wurden zu Gesprächen geladen. Die sich daraus ergebenden vielfältigen Anforderungen brachten bald die Erkenntnis, dass es unmöglich ist, diesen Arbeitsbereich allein zu bewältigen. Dieser Umstand motivierte mich und andere Fachleute, einen konstruktiven, für die damaligen Rahmenbedingungen gültigen Arbeitsansatz zu entwickeln, nach dem ambulant mit Opfern, sekundär Betroffenen und Tätern bei innerfamiliärer sexueller Gewalt gearbeitet werden konnte. Zur Umsetzung unseres Ansatzes gründeten wir 1992 den Verein LIMES. Im Zuge dieser Tätigkeit war ich auch mit Jugendlichen konfrontiert, die mit ihrer Sexualität anderen Leid zufügten. Nachdem auch in der Arbeit mit jugendlichen Tätern gemeinsame Interventionen und Kooperation notwendig sind, fand ich andere Fachleute, die – wie ich – bisher versuchten, allein eine sinnvolle Behandlung umzusetzen und an der Entwicklung eines umfassenden Ansatzes interessiert waren. Sehr geholfen hat mir dabei, dass ich 1988 gemeinsam mit anderen VertreterInnen von Institutionen das “Wiener Netzwerk gegen sexuelle Gewalt an Mädchen, Buben und Jugendlichen” gründete. Das ist ein Zusammenschluss der meisten in Wien in der Prävention von sexuellen Übergriffen an Kindern/Jugendlichen tätigen Organisationen und SpezialistInnen. So kam es, dass sich eine Gruppe Interessierter fand, die sich dieses Themas annahmen und als Pilotprojekt ein ambulantes Behandlungsmodell entwickelten. Seit 1997 wird dieses Programm im Verein LIMES konsequent und dennoch individuell umgesetzt. Der Verein LIMES widmet sich ausschließlich sexuell übergriffigen Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Das Pilotprojekt wurde vom damaligen Familienministerium, dem heutigen Bundesministerium für Familie und Jugend (BMFJ) gefördert, wodurch die praktische Umsetzung sehr beschleunigt wurde. Auch die zuständigen Fachleute am ehemaligen Jugendgerichtshof, der heutigen Jugendgerichtsabteilung im Wiener Landesgericht, waren – wie wir auch – an einer Behandlung von verurteilten Jugendlichen und jungen Erwachsenen interessiert. Seit dem Jahr 2001 besteht zudem ein Vertrag zwischen dem Bundesministerium für Justiz (BMJ) und dem Verein LIMES, der 2007 durch höhere Tarife erneuert wurde.

 

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